Jan 2020

Den maßvollen Menschen in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen, ist vor allem eine Forderung des ästhetischen Empfindens, fernab von Ideologie und wissenschaftlichem Diktum.

Konsequenz des Maßes ist die Abwägung auf einen Zustand des ungefähren Ausgleichs hin. Auch dies eine ästhetische Übung.

Es erleichtert mich sehr, in nichts Recht haben zu müssen. Aber mir zu Liebe komme ich um ein gewisses Maß an Rechtsprechung nicht herum.

Ich und er sind zerstrittene Teile ein und desselben. Wir stimmen fast in nichts überein. Unsere Beziehung ist heillos zerrüttet. Aber wir kommen doch nicht voneinander los, lebenslang.

Wenn es die Verhältnisse zulassen, verändere dich. Wenn das nicht geht, ändere die Verhältnisse. Siehst du dich dazu nicht in der Lage, fasse dich in Geduld (was schwerer ist als du denkst).

Das Religiöse als Stimmung, Konfession als Tonart.

Unangenehm sind kreative Durststrecken. Man macht zwar weiter, aus Gewohnheit, aber es kommt nichts Rechtes dabei heraus. Als ob es ein Gelingen nie gegeben hätte. Man nimmt sie hin diese Zeiten, was bleibt einem auch anderes übrig. Die ”Kehrseite der Medaille” eben.

Der Kultus als künstlerisches Ereignis, das aber nicht der Kunst dient, sondern einer metaphysischen (transzendenten) Verheißung.

Religiöses Empfinden ist nichts anderes als die unbestimmte Sehnsucht nach Bestimmung (Erfüllung).

Ins Gebiet der Kunst führen keine Brücken, man muss schon ins Wasser steigen und schwimmen (und erfährt nebenbei wie uferlos es ist).

Ich schwimme mit dem Strom gegen den Strom. Nur so komme ich garantiert nicht voran.

Der Drang des Menschen nach Entwicklung und Fortschritt ist eine außerordentliche Gabe, hinter der die Fähigkeit, die Auswirkungen seines Fortschritts angemessen (das heißt menschengemäß) zu bewältigen, weit zurücksteht.

Die wissenschaftliche Erforschung des Universums reduziert den Begriff von Raum und Zeit zu einer rein mathematischen Größe. Es wird gerechnet mit ihr, aber das Anschauungsvermögen kommt zu kurz (für einen Astrophysiker vermutlich eine sehr dilettantische und laienhafte Aussage).

Anschaulichkeit als menschliches Grundbedürfnis.

Immer und zu jeder Zeit müsste die zentrale Frage des Menschen die nach Wahrheit sein. Sein Fortschritt verdankt sich ihr und sein Scheitern.

Mitmenschlichkeit ist immer dann gefragt, wenn es an Menschlichkeit mangelt. Menschlichkeit an sich würde reichen.

Ich reiße keine Bäume mehr aus und ich pflanze keine mehr.

Du kannst dich freuen am Fortschritt deiner eigenen Arbeit. Du kannst aber auch missgestimmt sein angesichts ihrer Mängel. Welchen Aspekt du betonst, liegt einzig und allein an dir.

Ist ein Kunstwerk auch nach Jahren noch von Bestand, muss es von guter Qualität, das heißt in sich stimmig sein. Ich selbst prüfe ein Werk nach der Fertigstellung und dann nach einiger Zeit (die es mich fast hat vergessen lassen) ein weiteres Mal. Sagt es mir dann noch zu, lasse ich es gelten. Darüber hinaus fege ich immer mal wieder durch meinen Werkbestand und verwerfe das ein oder andere. So kommt es, dass auch nach Jahren noch ein Werk aussortiert wird. Es gibt Ausnahmen. Dabei handelt es sich um Werke, die zwar nicht ganz genügen, aus dokumentarischen Gründen aber trotzdem bleiben dürfen, zum Beispiel weil sie den Beginn einer wichtigen Veränderung markieren oder aus anderem Grund bedeutsam für mich sind.

Der Blick schärft sich durchs Blicken.

Ich muss mich entfernen können, um vor Ort sesshaft zu bleiben. Nur die Entfernungsmöglichkeit vermag mich zu halten. Eine mögliche Bleibe wäre auch ein flüchtiger Ort, der immer schon die Ferne mit einbezöge. Dabei könnte es sich eigentlich nur um eine Stadt handeln.

Nicht sesshafte Menschen sterben unterwegs.

Eine begabte Natur hat die Aufgabe, aus ihrer Begabung etwas zu machen.

Politische Gepflogenheiten sind ausgesprochen ästhetische, ohne weiteres zum Beispiel mit Schauspielkunst in Verbindung zu bringen.

Als Jugendlicher (anhaltend damit beschäftigt, mich im Strudel innerer wie äußerer Eindrücke zurechtzufinden) ging ich eine Zeit lang gerne in eine bestimmte Kirche. Nicht so sehr wegen der Messe, sondern um des außergewöhnlichen Orgelspiels willen. Da saß ein Virtuose hinter den Tasten und Pedalen, der (gleich J.S.Bach) den Gottesdienst zu einem Konzert umfunktionierte, das mir religiöse Empfindungen in weit stärkerem Maß näher brachte als das heilige Geschehen am Altar. Mit dieser Erkenntnis schien ich allerdings allein zu sein. Denn kaum war das letzte Amen gesprochen, strebten die Kirchgänger unaufhaltsam dem Ausgang zu, obwohl der Organist gerade jetzt sein konzertantes Musizieren in ungeahnte Höhen steigerte.