Deutschland, du Fremde, und mir immer noch eigen zugleich, zur Zeit und eigentlich schon immer eher fremd und wann mehr, wenn nicht jetzt.

Teiresias tritt hinter mich und flüstert mir ins Ohr: ”In allem Fremden findet sich auch Bekanntes, denn es geht immer um menschliches Verhalten, ob fremd, ob bekannt, und Menschen sind wir doch alle.”

Güte, einerseits ein Signum für Qualität, andererseits emphatische Nachsicht mitmenschlichem Verhalten gegenüber.

Treibt man’s zu arg mit Sitte, Maß und Soll, so treibt’s das Leben doppelt toll.

Das ernüchternde Erscheinungsbild demokratisch bestimmter Regierungen, die längst nicht mehr im Vollbesitz des Primats politischen Handelns sich befinden (vielleicht noch nie sich befunden haben), sondern sich (mit oder ohne Eigennutz) mehr oder weniger verborgenen Interessen demokratieferner Kräfte beugen.

Letztendlich kommt man nicht drum herum, zu akzeptieren, dass das Leben in einem ständigen Veränderungsprozess begriffen ist und am Ende so oder so tödlich endet.

Die letzten Tage des Menschen sind heutzutage meist sehr kostspielig. Das heißt, dass irgendwer irgendwo viel Geld damit verdient, soviel, dass wir uns irgendwann den Tod nicht mehr werden leisten können. Dann werden wir wieder einfach nur sterben dürfen.

”Bullshit”, meint Teiresias, ”gestorben wird immer, gelebt auch, mit und ohne Mensch.”

Die drei wesentlichen Akte des modernen Menschen: Personalakte (inkl. Polizeiliches Führungszeugnis), Steuerakte, Krankenakte. Dazu eher unwesentliche Zertifikate zu Impfstatus, Blutgruppe und jährlichen Zahngesundheitsuntersuchungen.

Dass ich bin, und zwar gesund, werde ich in Deutschland fürderhin jährlich aufs Neue notariell beglaubigen lassen müssen, sonst glaubt mir das niemand.

Der Mensch muss auf die Grenzen seines Handelns nicht ausdrücklich hinweisen, sagt Teiresias, er macht sie durch sein Handeln sichtbar.

Dass Menschen heutzutage noch heiraten, ist verwunderlich, und dass sie Kinder kriegen, bedenklich. Andererseits: das Leben ist generell äußerst reproduktionsfähig und -willig.

Man kann sich gar nicht genug bewusst sein, in welchem lebensverwirklichenden und lebenserhaltenden Ausmaß Welt sich über Sinneseindrücke vermittelt. Riechen, Schmecken, Hören, Fühlen, Sehen, … Wäre man lebensfähig ohne?

Wohin mein Auge blickt, es stößt unweigerlich auf geplantes und verbautes Leben. Nirgends natürliche Unberührtheit, nirgends der Halt, den eine starke, weil unberührte Natur zu geben vermag, nirgends Gelassenheit des Daseins.

Über eine Handschrift im Zwiespalt virtuosen Ausdrucksverlangens und lässigen Dilettantentums kann sich auch nur ein Maler Sorgen machen.

Seine Reiselust ist auf dem absoluten Nullpunkt angekommen (da können die Angebote noch so ruinös günstig sein). Künftig wird niemand mehr an ihr und mit ihr Geld verdienen, nicht, weil ihn die zunehmende Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit hindern würde, sondern, weil er es nicht mehr erlauben wird. Reisen war gestern, heute ist Stillstand.

(Ab)Bilder sind in der Lage zwischen allzu nüchterner Realität und zu Phantastik neigender Imagination
zu vermitteln, sofern sie unabhängig sind, also nicht einseitig nüchtern oder phantastisch.

Teiresias meint, Wahrheitssuche sei ein unaufhörliches Bedürfnis menschlichen Geistes und Wahrheitsliebe sein standhaltendes Fundament.

Im natürlichen Erscheinungsbild besitzt das Zufallsprinzip uneingeschränkte Entfaltungskraft, im kulturellen nur bedingte. Es scheidet sich Kunst von Künstlichkeit.

Gelassenheit des Daseins fusst auf einem gelassenen Umgang mit Tod und Sterben.