Wer einen Narr nicht ernst nimmt, dem vergeht das Lachen.

Als Kind las ich den ”Till Eulenspiegel”. Er faszinierte mich mit seinen verrückten Späßen, auch wenn ich ihre Hintergründigkeit noch nicht so ganz begriff. Und da war noch etwas anderes neben der Faszination, etwas fast unmerklich Beklemmendes, wie eine sanfte Schwermut. In jedem Fall eine spürbare Kehrseite der scheinbar lustigen Unbedarftheit des Protagonisten. Später dann, viel später, die sinfonische Dichtung ”Till Eulenspiegels lustige Streiche” von Richard Strauss, mit der es mir ähnlich erging. Ein zartes Grauen am Herz, Schatten der Narrheit.

Ein Tag, dem Sonne verheißen war, zerging lustlos und ohne ein Lächeln unter der Last anhaltend grauen Zwielichts.

Die größte Narretei, als Narr allein mit sich zu sein.

”Ich habe es in meinem Leben zu nichts gebracht”, spricht der Narr und freut sich.

”Die Würde des Menschen ist unantastbar”, auch wenn er sich würdelos verhält?!

Künstlernaturen leben ein wenig weltfern. Nah ist ihnen der Bereich der Fantasie, eine Region, die man fast paradiesisch bezeichnen könnte, wäre dieses Wort nicht schon anderweitig vergeben. Leider ist der Aufenthalt dort zeitlich begrenzt, genau genommen für die Dauer der künstlerischen Betätigung. Und da die Intensität dieses Prozesses von Natur aus schwankend ist, zeigt sich auch der Zutritt ins Reich der Fantasie Schwankungen unterworfen. Viel Zeit ihres Lebens, vor allem die paradiesferne, verbringen Künstlermenschen mit seligen Erinnerungen (eine etwas missverständliche Formulierung, aber sie passt gerade so schön). Deshalb bezeichnet man sie gerne als verträumt. Das stimmt und stimmt wieder nicht. Im Grunde sind sie nur damit beschäftigt, wenn auch sehr konzentriert und anhaltend, aus ihrer temporären Eintrittskarte ins Fantasiegebiet eine Dauerkarte zu machen, wenn auch ohne Erfolg. Aber das verstehen Fachfremde nicht so recht.

Auf meiner Eintrittskarte ins Fantasiegebiet steht übrigens mein eigener Name.

Und übrigens schafft man sich das Reich der Fantasie selbst, es existiert nicht außerhalb, einfach so und fest umrissen und für alle zugänglich. Man muss sich schon seinen höchstpersönlichen Reim darauf machen. Ein eigener Name kann dabei hilfreich sein.

Der gleichmäßige Regen lässt wachsen und gedeihen, der stürzende zerstört.

Worte sind in Gebrauch wie Kleidungsstücke. Man wechselt sie nach Anlass und passend zum eigenen Geschmack. Nun werden Körperbedeckungen mit der Zeit schmutzig und müssen gereinigt werden. Desgleichen mit Worten, zumindest mit manchen. Hier ist der Reinigungsvorgang allerdings schwieriger. Es gibt nur zwei Waschprogramme, wobei eines eigentlich gar keines ist. Entweder man verwendet die Brauchworte weiter unter Betonung individuell-moralischer Unbedenklichkeit (was leicht zu Missverständnissen führt) oder man streicht sie aus dem eigenen Wortschatz.

Ich lege mindestens soviel Wert auf den Prozess wie auf das Ergebnis. Eigentlich kann ich beides nicht wirklich voneinander trennen. Jedes Ergebnis setzt einen Prozess voraus, wie dieser ein Ergebnis nach sich zieht.

Vor allem das Klare in den Portraits von Jan van Eyck, vielleicht auch Reinheit. Darüberhinaus ein Unbestimmbares, geheimnisvoll entfernt und nah zugleich, eine Kostbarkeit, eingeschlagen in edles Geschenkpapier.

Überhaupt von Vorteil, in der Kunstausübung die eigene Disziplin kennenzulernen und auszubilden. Es wird sich dabei immer um eine sehr spezielle, weil persönliche, Mischung aus zügelnden und vorwärts treibenden Impulsen handeln. Was je an der Reihe ist, bedarf besonderer Aufmerksamkeit (der Wagenlenker, der die Zügel schießen lässt und anzieht).

Der Narr als vorbildlicher Mensch, der seine Faszination einbüßt, wenn alle Menschen Narren sind.

In Sachen schöpferischer Prozess: weniger das individuell Gemachte, mehr das individuell Zukommende.

Manchmal denke ich, mein Schaffen ist uneinheitlich und wirr. Irgendwie kein Stil, rede ich mir ein. Statt dessen könnte ich auch sagen vielgestaltig, abwechslungsreich, was positiv klänge und - wenn man so will - mein Stil wäre.

Das Verbindende und Verbindliche in meinen Kunstschöpfungen bin ich, wenn auch nicht ich allein.

Authentisch ist ein Kunstwerk, wenn es wahr ist. Das Wahre aber kommt zu, zwar gemacht, aber nicht beabsichtigt.

Das Erreichbare, ja. Zielstrebigkeit aber schenkt das Unerreichbare.

Ich bewundere Menschen, die sich ein Leben lang geduldig und beharrlich einer Sache widmen (sei sie noch so bescheiden). Am Ende ihres Lebens schauen sie mit Wohlgefallen zurück auf ihr Lebenswerk und nehmen gelassen Abschied.

Schöpferisch betrachtet ist es hilfreich über die eigene Lebensspanne hinauszublicken.

Ein Genussmensch wie er ist süchtig nach den schönen Seiten des Lebens. Darum muss er alles Hässliche aus der Welt schaffen, aus seiner Welt. Also blicklos sein. Kein Leid, keine Probleme. Abwendung und Hinwegsteigen, wie man über Fallobst steigt, das, dem endgültigen Verfallsprozess alles Lebendigen preisgegeben, keiner Betrachtung mehr wert ist und schon gar nicht einer Berührung. Dass aus ihm selbst ein fauler Apfel werden könnte, vielleicht schon morgen, blendet er diskret wie entschieden aus. Dabei schüttelt es ihn vor Furcht, innerlich, und seine ausschweifende Genusssucht dient in Wirklichkeit nur dazu, seine Vergehensangst zu verdrängen. Aber das weiß er nicht. Er würde den Tod auf Knien um Aufschub bitten und am allerliebsten um Verschonung. Es könnte ja etwas Schönes geben, an dem er sich noch nicht gelabt hat.

Das Kunstwerk als vorübergehende Antwort, nicht im Sinne abschließender Beantwortung, sondern wegstrenger Einkehr.

Wer im Bild ist, ist auch im Leben, und er ist vor allem am Leben.

Kunst als (vielleicht einzige) Daseinssituation, die Wirkung zeigt, ohne wirken zu wollen (oder wirkt, ohne eine Wirkung zu zeigen?).

Ich habe nur ein Gesicht. Auf ihm drückt sich alles aus, was mich ausmacht. Darunter gibt es nichts, auch für mich nicht, außer vielleicht dem letzten, dem sogenannten wahren Gesicht, das erst am Ende, mit dem Aushauch, zur Erscheinung kommt (wie es heißt).

Kunstvermittlung kontra Kunstschöpfung? Oder müsste es besser heißen: Kunstvermittlung als Kunstschöpfung?

Wer die Hölle kennenlernen will, muss nicht weit reisen.

Um sich zu positionieren, sollte man wissen, wogegen man sich stellt, mehr aber, wofür man steht.

Manchmal treibt es ihn weg von seinem Lager, hinaus in die Dunkelheit der Nacht. Dann streift er durch die leeren Straßen der Stadt, die ihm so vertraut wie unergründlich ist, und weiß nicht warum. Sein Gang ist zielstrebig ohne Ziel und seine unsinnig eiligen Schritte hinterlassen nur kurzweilige Spuren auf dem nachtfeuchten Asphalt. Erschöpft kehrt er in den frühen Morgenstunden zurück, ein Zwielichtiger im Zwielicht, während andere sich eilig bereit machen, um sich ins Tagesgeschäft zu stürzen. Er dagegen sinkt auf sein kaltes Lager nieder und sucht vergeblich Zuflucht zu einem dünnen Schlaf.

Abzeichnen ist nicht meine Sache. Nur mühsam gelingt es mir, zeichnerische Ähnlichkeit zum Gegenstand herzustellen. Statt dessen und überraschender Weise finde ich zu anderen Resultaten freier, mir entsprechender Handschrift, ob sie mit dem Vorbild nun etwas zu tun haben oder nicht. Entscheidend ist der Ausdruck.

Musik geht mir zu Herzen, sie raubt mir manchmal den Verstand und oft scheint sie mir zu sagen: wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Ich liebe die Anregung eines Gegenständlichen, aber sie soll mich nicht fesseln. In Fesseln schlage ich mich selbst.

Auch wäre zu fragen, was sich ein Gott gedacht haben könnte, den Mensch anzuweisen, sich die Erde untertan zu machen. Es muss sich wohl um eine andere Zeit gehandelt haben, eine andere Lebenssituation, die die Existenzbedrohung in den Vordergrund stellte. Heute, um einige tausend Jahre erfahrener, würde derselbe Gott möglicherweise sagen: Lasst die Finger weg.

Ist Innen nichts, kann Außen nichts zur Erscheinung kommen, und Innen nichts keimen, wächst Außen nichts.

In eine Großstadt fährt man, aber man wohnt nicht in ihr. Und wenn doch, sucht man die überschaubaren Strukturen der Kleinstadt auf.

Man kann einer Ideologie nicht nur zum Teil anhängen (nach dem Motto: sie hat ja auch ihre guten Seiten). Man verschreibt sich ihr ganz, wenn man sich einlässt, oder lässt es bleiben (was zu empfehlen ist).