Interpretativ ist Wiederholung von übergeordneter, kreativ von untergeordneter Bedeutung (beides zusammen unschlagbar).

Ich neige nicht dazu, meinem Geborensein irgendeine Bedeutsamkeit zuzuordnen. Dass Menschen - außer Erziehungs- und Sozialeinflüssen - scheinbar anlagebedingte Merkmale verkörpern, könnte mich allerdings dazu verleiten, eine teilweise schicksalsmäßige (Vor)Bestimmung anzunehmen (was vermutlich ein Irrtum ist).

Im Zusammenleben der Menschen kommt der Frage nach Eigentum überdurchschnittliche Bedeutung zu. Über sie lässt sich trefflich streiten. Besitzverhältnisse sind in jedem Fall gesellschaftliche Verhältnisse.

Der Gottesstaat, ein Relikt aus längst vergangener Zeit. Heute (er)klärt nicht mehr Gott (oder was man dafür hält) die Daseinsfragen, sondern Wissenschaft (auf ähnlich hinreichende und zugleich lückenhafte Art und Weise wie die Gottesanschauungen von einst).

Wer meint, die Frage nach Gott wäre mehr als eine Privatangelegenheit, irrt. Man kann sie sich stellen, man muss sie sich aber nicht stellen. Vermutlich stellt sie sich irgendwann im Leben von ganz allein.

Die Frage nach dem hinreichenden Grund führt immer ins Leere (zu nichts).

Eine leidige Angelegenheit, um der Verständigung (Verständlichkeit) willen Begriffe klären zu müssen.

Ausgehend von Originalität wird sogar blanke Repetition zum Original.

Massengeschmack ist Durchschnittsgeschmack und Durchschnittsgeschmack hat wenig Geschmack.

Je mehr ich (nach)denke, desto mehr gibt es zu denken.

Ich vergaß die aufgeplusterte Taube zu erwähnen. Gesund sah sie nicht aus in ihrem zerzausten Federkleid. Sie kauerte auf dem Bürgersteig, von der Straße abgewandt (als ob sie die schon längst nichts mehr anginge) im rechten Winkel zur Hauswand. Den Schnabel hatte sie in eine Ritze gesteckt, als ob ihr das eigene Köpfchen zu schwer geworden wäre. Schaute auch sie bereits ins Jenseits?

Hinter jedem Preis (den ich für ein bestimmtes Produkt meiner Wahl zu zahlen habe) steckt eine mehr oder weniger nachvollziehbare Kalkulation, die nicht unbedingt meiner eigenen entsprechen muss.

Ein kontemplatives Leben ist Luxus pur, mit Geld nicht aufzuwiegen. Kann man es sich leisten, handelt es sich vermutlich um eine Täuschung.

Eine Ansicht ist zum Beispiel die, dass jeder Mensch mit einer bestimmten, im Leben zu erfüllenden Aufgabe geboren wird. Ich gehöre anscheinend der Spezies Mensch an, die partout nicht dahinter kommt, um welche Aufgabe es sich da handeln könnte, sehe ich von einer gewissen Neigung zum Tagträumen ab, die schwerlich als Aufgabe zu bezeichnen ist (oder vielleicht doch?)

Eine führende Rolle im Zusammenleben der Menschen spielen auch die, die dafür kaum eine Veranlagung, geschweige denn Qualifikation besitzen.

Ich habe wenig bis nichts zu tun. Damit bin ich den lieben langen Tag beschäftigt und abends entsprechend müde.

Sich selbst eine Stütze sein, nicht gerade ein Fels in der Brandung, aber verlässlicher Halt, und nicht versäumen, Fallstricke zu erkennen, die man sich zuweilen selbst auslegt.

Ein paar Schritte entfernt auf dem Bahnsteig ein alter Mann. Kein Obdachloser, aber etwas verwahrlost. Ein schmales Männchen. Auch ein Frauchen wäre möglich, schwer auszumachen, da der Kopf in der Kapuze des zu großen, jugendlich gemusterten Plastikanoraks sitzt. In einer Hand eine zerbeulte Einkaufstasche (Flaschensammler?), in der anderen ein qualmender Zigarillo, der ab und an gewohnheitsmäßig zum Mund geführt wird. Der hin und her schweifende Blick des alten Mannes richtet sich anscheinend auf die lärmige Umgebung. Doch wird er nirgends heimisch, schaut durch alles hindurch oder über alles hinweg, auf etwas anderes hin, wo er aber nicht ankommt, was ihn zu beunruhigen scheint. Der Mann, ein Wesen, das nicht mehr dazugehört, aber trotzdem noch anwesend ist. Jemand, der ins Jenseits blickt? So scheint es.

Wenn ich schon die Wahl habe, wäre es doch schade, mich nicht zu entscheiden. Aber was, wenn das von mir Bevorzugte nicht zur Wahl steht? Der gesunde Menschenverstand (man könnte auch von Pragmatismus sprechen) rät zur zweiten Wahl.

Einesteils sieht man gern fern, andernteils wünscht man sich Nahsicht. Einmal ist man zu weit weg, dann wieder zu nah dran. Man wird nicht umhin kommen, sich zu bewegen.

Auf Biegen und Brechen, auf Leben und Tod. Eine längst vergessene Perspektive, die aktuell und verwunderlich für gut Situierte, global wie regional, an die Oberfläche zivilisatorischer Realität drängt.

Der Erkenntnisstarke nimmt Götter weder ernst noch auf die leichte Schulter.

Ich sehe mich als Teil der menschlichen Spezies, die Spiritualität und Sinnlichkeit nicht als Gegensatz auffasst. Quod erat demonstrandum, und das täglich.

Grundlegende Erkenntnisse und ihre grundlegenden Haken ...

Menschen verhalten sich immer.

Jenseits von Geist und Materie! Und dann?

Ich bin Interpret (und Komponist) in eigener Sache. Ich sehe mich gezwungen, will ich mich angemessen zum Ausdruck bringen, zu üben, was bedeutet, mich schier endlos zu wiederholen (ähnlich wie beim Einüben z.B. eines Musikstücks). Das führt auf der einen Seite zu einer gewissen persönlichen Reife, andererseits leider zu einem nicht unerheblichen Frischeverlust. Irgendwann bin ich mir über, finde mich langweilig, beliebig, belanglos und was es noch für Worte gibt, um so etwas wie Überdruss zu kennzeichnen. Wie also halte ich mich (als Gegenstand fortwährender Interpretation) frisch?

Will ich meinen literarischen Geschmack weiterbilden, werde ich mich bis zu einem gewissen Grad auch mit Literatur beschäftigen müssen, die mir fremd ist. Im Spiegel dessen, was mir fern liegt, erkenne ich das mich Ansprechende, von mir Angestrebte.

Wissbegierig, ja, aber ohne besonderes Interesse an dem, was allgemein für wissenswert gehalten wird.

Ich spiele mich nie ganz aus. Mindestens ein Trumpf bleibt in der Hand.

Stillosigkeit gibt es nicht, guten oder schlechten Stil schon. Das ist eine ethische Frage mehr als eine formale.

Man kann die Ehe trefflich schmähen und trefflich über den Klee loben. Etwas weniger pointiert würde ich von Über- und Unterbewerten sprechen. Dass Ehe gelingt, ist Angelegenheit einzelner, dass sie misslingt ebenfalls.

Wer für seine Existenz einen Daseinsgrund sucht, ist ein Dummkopf, wer nicht, auch.

Sehnsuchtsorte entfalten ihren Reiz aus der Ferne. Sobald man ihnen näher kommt, verlieren sie an Anziehungskraft, bis schließlich Reizlosigkeit übrig bleibt. Man könnte auch sagen: Überall wird "nur" gelebt (und gestorben).

Man kann der EU wirklich nicht vorwerfen, übereilt zu handeln. Eher das Gegenteil ist der Fall. Sie agiert zögerlich, vielleicht zu zögerlich. Ein Zeichen der Schwäche? Ein Zeichen von Stärke (im Sinn von nichts Unüberlegtes tun)? Nicht zu vergessen, dass demokratische Abstimmungsprozesse (und um Demokratie geht es doch in der Hauptsache) nun mal Zeit brauchen.