Mar 2019

Ich bin ein Dilettant, der nach Vervollkommnung strebt, und immer wieder mit Erfolg beim Dilettantismus landet.

Besser, zu sich aufzuschließen als hinter sich zurückzubleiben.

Sterben und Geborenwerden sind gegensätzliche Aspekte in einem überindividuellen und zeitdifferenzierten Erneuerungsprozess.

Ich wünschte mir den Spielraum der Kindheit erhalten zu können. Welch Geschenk, wenn selbst in hohem Alter noch kindliche Neugier aus meinen Augen leuchtete.

Wer das Leben systematisiert, läuft Gefahr, es in eine Zwangsjacke zu stecken.

Kann man mit jemandem befreundet sein, ohne ihn zu kennen, ja, ohne zu wissen, ob es ihn überhaupt gibt? - Wenn sie diese Frage mit Ja beantworten können, sind sie vermutlich ein gläubiger Mensch und/oder haben Gott bereits kennengelernt.

Wie soll man sich den Einfallsreichtum des Menschen erklären, andere Menschen ins Elend zu stürzen?

Wer freut sich nicht, wenn sich etwas Neues tut, und sei die Veränderung noch so bescheiden. Die durchaus hilfreiche, aber manchmal eintönige Alltagsstruktur wird aufgelockert und schenkt für kurze Zeit das Glück des Anfangs. Aber wie ”jedem Anfang ein Zauber innewohnt”, so auch eine Entzauberung. Denn früher oder später lässt der Zauber nach. Der Beginn hat sich gewandelt und ist Bestand geworden. Spätestens dann wird es Zeit ...

In einer Welt ohne Gott, hat der Mensch nichts zu lachen, in einer göttlichen aber auch nicht.

Will man dem Leben eine geistig-künstlerische Dimension abgewinnen, so ist das, bei aller Inspiration, ein Unterfangen eigenen Wollens.

Betrete ich meinen Arbeitsraum, wird mir jedes Mal aufs Neue bewusst, dass es sich hierbei um einen Wohnraum handelt, der mir nur vorübergehender Weise als Atelier dient und über dessen Wohnzweck ich mich nur unvollkommen hinwegsetzen kann.

Randbemerkungen können den Alltag durchleuchten.

Manchmal bin ich mir selbst so unverständlich wie das vernünftiger Weise nur möglich ist.

Gestern nahm ich ein Buch zur Hand, um es ein zweites Mal zu lesen und seinem Inhalt vielleicht doch noch nahe zu kommen. Dabei fiel mir auf, dass ich mir fremd gebliebene Bücher selten ein drittes Mal lese.

Wo man nicht weiß, bei allem Erkenntnisbemühen nicht, bleibt nur der Glaube, es sei denn, man ist in der Lage, das, was man nicht weiß, vollkommen auszublenden (als ob man es nie hätte wissen wollen), was vermutlich nicht geht. Insofern ist auch Agnostizismus schwer zu verwirklichen, selbst und gerade dort, wo es um Gott geht.

Das Werk geistigen wie auch künstlerischen Lebens ist ein unaufhörliches, fantasievolles Trachten nach Erfindung.

Prinzipiell Werden und Vergehen. Darin Erscheinungsformen aller Art und Größe, die verschiedene Stadien dieses Prozesses in unterschiedlichen Zeitdimensionen zum Ausdruck bringen. Schwer vorstellbar, dass in diesem Zusammenhang Endlichkeit vorgesehen ist.

Dass wir einer überweltlichen Hoffnung Ausdruck verleihen mit dem Wort Gott, beweist nicht, dass diese Hoffnung berechtigt ist. Sie beweist aber auch das Gegenteil nicht.

Etwas, dessen Existenz ich weder beweisen, noch nicht beweisen kann, ist zumindest geheimnisvoll.

Dem Dasein einen Sinn zuzuschreiben ist menschlicherseits so gewollt wie unmöglich.

Schnee fällt in meinen Tag, ungestüm verwirbelt vor einem grauen Horizont, der für einen schmerzhaften Moment seine zeitdehnende Hand um mein Herz legt und mir das Licht bereits früherer Tage mutwillig entzieht.

Im Alter lässt die Leidenschaft nach, sagt man. Nichtsdestotrotz trachte ich verrückter Weise danach, dies zu widerlegen.

Solange es Wände gibt, wird es auch Malerei geben.

Atheismus bezieht sich immer, wenn auch in der Verneinung, auf ein göttliches Etwas. Wäre er konsequent, hätte er keine Bezeichnung für seine Lebenseinstellung, die - als atheistische (
die Widersprüchlichkeit des Begriffs hingenommen) - aus nichts anderem bestehen dürfte als aus Gleichgültigkeit. Schon Desinteresse wäre eine inkonsequente Regung.

Was ich nicht zu ändern vermag (weil es nicht in meinem Einflussbereich liegt) bewahre ich auf unter der Rubrik Unmöglichkeiten, die mit Abstand umfangreichste.

Es muss neben den gelungenen Werken auch die weniger gelungenen geben. Wie sollte man sonst wissen, was gelungen ist?

Sei dir selbst gegenüber ein wohlwollender, aber harter Kritiker, eingedenk deiner begrenzten Möglichkeiten.

Manches, was man in der Jugend entdeckt und schätzen gelernt hat, ist auch im Alter noch von Bestand. So seltsam das vielleicht erscheinen mag, es lebt darin ein ganzes Leben, das sich gleich bleibt, ohne je das Gleiche zu sein.

Karriere im Beruf und Karriere in der Familie besitzen Seltenheitswert.

Überlege, ob du tun würdest, was du tust, gäbe es andere nicht.

Was der Mehrheit gefällt, kann nicht gut sein. Ein verbreiteter Irrtum (derjenigen, die kulturell etwas auf sich halten), oder ein wahres Wort, das auf Erfahrung beruht?

Querdenker sind mir sympathisch, eben Sand im Getriebe einer zu rund laufenden Maschinerie.

Ein gebildeter Mensch ist nicht gleichzusetzen mit einem kultivierten. Während dieser immer auch gebildet ist, muss jener nicht unbedingt kultiviert sein.

Kultur ist nicht gewusste, sondern gelebte Bildung.

So wenig Gesellschaft wie möglich, aber so viel wie nötig.

Statistisch betrachtet liegt meine Lebenserwartung bei 79 Jahren. Warum habe ich das Gefühl, hier liegt ein Missverständnis vor?

Was ”Otto Normalverbraucher” denkt, bzw. was er nicht denkt, kann einer bestehenden, leidlich funktionierenden Gesellschaftsordnung den Garaus machen.

Den eigenen Tod kann man nur einmal erleben. Das macht ihn so kostbar (wie die Geburt), lässt ihn aber auch unwirklich erscheinen, dem Leben entzogen. Ein Fremdes, das Besorgnis erregt.

Die eigentliche Herausforderung in der Malerei (wie in künstlerischen Gestaltungsprozessen allgemein) besteht darin, den eigenen Ausdruckswillen, das eigene Ausdrucksvermögen und das im Sinne der Werkidee entgegenkommende Eindrückliche werkbildend zu verknüpfen.

Realismus in der Kunst ist der Weg von einer Werkidee hin zu einer meist differierenden Erscheinungsform dieser Idee. Auf einen knappen Nenner gebracht: dass etwas immer anders wird als gedacht.

Freizeit ist der Zustand zeitlosen Empfindens (im Sinne von Zeitfreiheit), nicht das Gegenteil von Arbeit.

Im Zusammenhang mit Freizeit kann auch Nichtstun erholsam sein.

Übst du Kritik, sei dir der Teilnahme an einem Prozess bewusst, der das hervorgebracht hat, was du kritisierst. Du kannst da nicht unbeteiligt sein, im Gegenteil, deine Kritik wird zu deiner Herzensangelegenheit.

Ein Irrtum zu glauben, Kritik müsse immer sachlich bleiben, gern von Personen geäussert, die im Gespräch bleiben wollen, koste es, was es wolle.

Jede Kritik kann ihrerseits zu einem kritikwürdigen Gegenstand werden.